Forderung des Landesheimrats Bayern nach Anpassung des § 94 Abs. 6 (Heranziehung) SGB VIII

Der Landesheimrat Bayern fordert eine Entlastung der Kinder und Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe hinsichtlich der Höhe der Heranziehung.

Die Heranziehung sollte den Anteil von 50 Prozent des Einkommens keinesfalls überschreiten. Außerdem soll ein Freibetrag von 250 Euro im Monat im Eigentum und zur freien Verfügung des jungen Menschen verbleiben. Momentan beträgt der Umfang der Heranziehung zu den Kosten der Maßnahme 75 Prozent.

Begründung:

  1. Junge Menschen aus der Heimerziehung fühlen sich benachteiligt, ausgegrenzt und ungerecht behandelt, da sie im Verglich zu anderen Kindern und Jugendlichen, welche in ihren Ursprungsfamilien leben nicht ihren vollen Lohn behalten dürfen.
     
  2. Die Motivation zu arbeiten, sowohl im Rahmen eines Nebenjobs wie auch innerhalb einer betrieblichen Ausbildung wird verringert oder entsteht gar nicht erst.
     
  3. Junge Menschen in der Jugendhilfe hatten meist keine Alternative hierzu. Sie haben nicht die Möglichkeit, wie andere Jugendliche, den Betrag, den sie zum Familienleben beisteuern in den jeweiligen Familien individuell auszuhandeln (Essen, Miete, Nebenkosten etc.).
     
  4. Die Möglichkeit von der Heranziehung abzusehen ist bislang auf soziales und kulturelles Engagement beschränkt. Andere Einsatzorte und Zuverdienstmöglichkeiten sind bislang weitestgehend davon ausgeschlossen. Diese Einschränkung auf einen speziellen Bereich sollte unbedingt aufgehoben werden.
     
  5. Über das Absehen einer Heranziehung entscheidet das zuständige Jugendamt je nach Fall. Unter den Jugendlichen kommt dadurch ein Gefühl der Willkürlichkeit auf, da je nach Fall und Wissen des zuständigen Sachbearbeiters entschieden wird.
     
  6. Für das Leben nach der Jugendhilfe haben junge Menschen keine Möglichkeit zu sparen und Rücklagen für etwaige Anschaffungen etc. zu bilden.
     
  7. Die Teilnahme am Öffentlichen Leben, ist gegenüber anderen Kindern und Jugendlichen, welche nicht in der Jugendhilfe untergebracht sind, erschwert, da die Möglichkeit, Geld zu verdienen minimiert ist.
    Beispiele: Mitgliedschaft in einem Verein und Eintritte; Soziale Kontakte über weitere Entfernungen sind erschwert, da die Fahrtkosten zu hoch sind.
     
  8. Der Landesheimrat vermutet, dass die Wahrscheinlich später von Sozialhilfe zu leben steigt, da schon früh die Motivation zu arbeiten gehemmt wird.
     
  9. Durch die momentane Regelung der Heranziehung absolvieren Jugendliche seltener Ferienjobs, welche aber zur Interessenbildung und beruflichen Orientierung wesentlich sind.
     
  10. Eine schulische Ausbildung wird unter Umständen der dualen vorgezogen, weil dadurch erst ein späterer Verdienst erfolgt.
     
  11. Der Wert einen Beruf zu erlernen und diesen mit entsprechender, auch finanzieller Anerkennung auszuüben wird gemindert.
     
  12. Die Entwicklung zur Selbstständigkeit wird gebremst.


    Erarbeitet in den Sitzungen des LHR 2014/15/16.

 

Tätigkeitsbericht